Frauenquote

2009 November 9
by coretex

Langsam gehen mir die Grünen ein wenig auf den Sack, wenn ich das mal so politisch unkorrekt formulieren darf.

Aber damit sind wir dann auch gleich beim Thema. Der Berechtigung zur Ausübung einer Funktion aufgrund des Chromosomensatzes: Der Frauenquote.

Das ist ja etwas worauf die Grünen ein wenig stolz sind. Das sie in ihren Statuten irgendwo drinstehen haben, das 50% der Funktionen mit Frauen besetzt werden sollen.

Diese festgeschriebene Frauenqoute haben die Piraten nämlich nicht verankert, mit der Begründung, das es schlicht egal ist welches Geschlecht jemand hat, entscheidend ist wie sich jeder einzelne einbringt, und so nennt man sich auch offiziell geschlechtsübergreifend „Pirat“. Und das brachte dann schon, die ein oder andere Frau aus dem feministischen Lager auf die Barrikaden. Das müsse Piratinnen heißen (am besten noch mit Binnen-I). Lustigerweise habe ich sowas immer nur von außerhalb der Piratenpartei gehört. Die MitgliederInnen (an dem Kalaur komm ich nicht vorbei) der Piratenpartei sehen das ganz anders. Sie fühlen sich nach eigener Aussage ganz wohl bei den Piraten, und überhaupt nicht in der Rolle der unterdrückten Frau, und feuerten auch eifrig gegen diese feministische Anwandlung von außerhalb.

Aber der Hit war das getwittere zur Landesmitgliederversammlung vom gerade vergangenen Wochenende. Da läßt ein Twitterer namens gruene_frauen verlauten: „drei !!! von 50 Bewerbern für die Landesliste der Piratenpartei sind weiblich. Das ist ja noch schlimmer als bei der FDP“

Ohh mein Gott, nur 3 von 50 der Berwerber. Untergang des Abendlandes. Was sagt denn das über die Piraten aus? Ehm, die genaue Frauenquote bei den Piraten ist ja nicht exakt bestimmt, da sie auf dem Mitgliedsantrag nicht mal das Geschlecht wissen wollen (wozu auch?) aber ich schätze mal, das 6 Prozent  Frauenanteil nicht komplett unrealistisch ist. Als einziges Merkmal zur Geschlechtsbestimmung bleibt also noch der Name. Wobei ich mir nach Ansicht des Profils nicht mehr besonders sicher bin, ob Michele wirklich weiblich ist. Dann wären es sogar nur noch 2 von 50 Kandidaten.

Und originellerweise haben es beide Kandidatinnen unter die oberen 10 Listenplatze geschafft. Das sind genau die Plätze, bei denen sich die 5 grünen Frauen nicht sicher sein können, ob sie aufgrund Ihrer Leistungen dort sind, oder nur wegen der Frauenqoute.

Diese beiden können sich sicher sein wegen Ihrer Leistung dort zu sein,  zumal sie wohl auch noch von einer überwiegend männlichen Wählerschaft dort hin gewählt wurden.  Soviel zum Thema unterdrückte Frauen.
Einige Frauen bei den Piraten haben übrigens richtig schön ironisch auf diese Feminismusdebatte geantwortet, und die Arbeitsgemeinschaft Schnittchen gegründet.

Meine Frage an die Vertrter des Feminismus wäre, wie hättet Ihr denn dieses Unverhältnis der Kandidatengeschlechter am liebsten gelöst? Müssten 46 Männer von der Kandidatur zurücktreten? Werden nur 4 Listenpläze besetzt. Werden 46 Kandidatinnen von der Straße gecastet?

Und jetzt mal abseits von der Politik. Ich hatte letztens ein Gespräch mit einem Kunden zu führen, bei dem ich wusste, das der EDV-Leiter mit dem ich sonst dort zu tun habe in Rente gegangen war. Da ich noch keinen neuen Ansprechpartner hatte, habe ich einfach mal die alte Telefonnummer gewählt, und als sich dort eine Frau meldete, hab ich mich nett vorgestellt, und gefragt, ob sie die neue EDV-Leiterin sei.

Als Antwort kam ein ziemlich schroffes „Ja, das bin ich, haben sie etwa ein Problem mit Frauen in der EDV-Branche?“
Nö, habe ich offensichtlich nicht, denn sonst hätte ich stattdessen gefragt, ob sie mich mal mit dem Leiter der EDV verbinden könnte. Aber das Klima bleibt frostig. Jede Kritik nimmt sie persönlich, obwohl ich in der Regel sagen kann „Da hat ihr Kollege XY einen Fehler gemacht“. Ihrem Vorgänger habe ich das gleiche erzählt.

Warum haben so viele kämpferisch feministisch eingestellte Frauen, verlernt zu erkennen, wann ein Kampf unnötig ist? Und bei den Piraten ist das meiner Meinung nach der Fall.

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